Laura Linnenbaum inszeniert Juli Zehs Roman “Spieltrieb” auf der Bonner Werkstattbühne

Der Eingang zur Bonner Werkstattbühne.
Der Eingang zur Bonner Werkstattbühne.

Wenn das Publikum am Ende einer Aufführung gar nicht mehr aufhören will Beifall zu klatschen, sich Zuschauer auch noch am Ausgang aus dem Theater angeregt und euphorisch über die Inszenierung unterhalten und deine Theaterbegleitung, die üblicherweise bei Theatervorstellungen mit Müdigkeit zu kämpfen hat, völlig aus dem Häuschen ist und sich die Inszenierung am liebsten gleich das zweite Mal ansehen würde – spätestens dann weißt Du, dass die gerade gesehene Inszenierung außerordentlich und grandios war.

Genau diese Erfahrung machte ich vor einigen Tagen nach dem Besuch der Inszenierung von Juli Zehs Roman “Spieltrieb” in der Bonner Werkstattbühne.

Inszenierungen von Romanen sind grundsätzlich immer spannend, schließlich werden Romane ursprünglich nicht für das Theater konzipiert.  Allein die Form der Adaption des Stoffes für die Bühne macht diese Art der Inszenierungen also interessant.

Juli Zehs Roman "Spieltrieb", erschienen im btb Verlag.
Juli Zehs Roman “Spieltrieb”, erschienen im btb Verlag.

“Spieltrieb” ist ein erstmals im Jahre 2004 erschienener Roman der aus Bonn stammenden Autorin Juli Zeh. Schauplatz des Romans ist das fiktive Ernst-Bloch-Gymnasium in Bonn. Die Hauptfigur, Ada, ist eine hochbegabte Schülerin des Gymnasiums, die sich aufgrund fehlender Herausforderungen an der Schule langweilt und unter ihren Mitschülern die Position einer Außenseiterin einnimmt. Alles ändert sich, als Adas Klasse einen neuen Mitschüler, Alev, erhält. Alev ist nicht nur charmant, sondern auch Adas Intelligenz gewachsen, wodurch er auf Ada eine große Attraktivität ausstrahlt. Was die beiden zusätzlich verbindet sind ihre Gefühlsrohheit und die Ablehnung jeglicher moralischer Prinzipien. Die beiden betrachten sich gar als Urenkel der Nihilisten und meinen, dass es nicht einmal mehr etwas gibt, an das zu glauben sie ablehnen könnten. Das einzige, das in einer Welt ohne Werte übrig bleibt, ist der Spieltrieb. Ada und Alev beschließen also einen ihrer Lehrer zu erpressen. Ein hinterlistiges Spiel nimmt seinen Lauf…

Jeder, der die Bonner Werkstattbühne schon einmal besucht hat weiß, dass die Bühne vergleichsweise klein ist. Mit einem gigantischen Bühnenbild kann entsprechend nicht gerechnet werden. Die Inszenierung Laura Linnenbaums kommt aber auch ohne viel Chichi wunderbar aus. Wovon die Inszenierung vor allem lebt, ist die ausgezeichnete schauspielerische Leistung der Darsteller. Die Besetzung für das Stück hätte wirklich nicht besser gewählt sein können. Insbesondere Maike Jüttendonk in der Rolle der Ada überzeugt auf voller Linie. Sie spielt herausragend.

Für alle Theaterbegeisterte Bonner ist das Stück definitiv sehenswert. Es wirft aufregende Fragen aus den Bereichen Philosophie und Recht auf und fordert den Zuschauer zur gedanklichen Partizipation heraus. Das letzte i-Tüpfelchen bildet das überzeugende Schauspiel der Darsteller. Ich kann Laura Linnenbaum zu einer gelungenen Inszenierung gratulieren und euch das Stück wärmstens empfehlen!

 

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